EnTWICKLUNG

 

 

KINDER-KRITZELBILDER

 

Bilder? Dieses fahrige Gekrakel? Doch, genau das sind Bilder im Werden! Ein unaufhaltsamer Prozess der Bild-Entstehung. Aus dem zufälligen Hin und Her, motorisch noch kaum beherrscht, werden Knäuel, Kreise, später Vierecke, Kreuze und Gitter und erst später kommen Dreiecke dazu. Irgendwann geschieht das grosse Staunen, das Kind erkennt in seinen Grundformen etwas Wirkliches. Der Kreis wird zum Rad, zum Kopf! Absichtslos, von selbst, was für ein Fundstück! Mit der Zeit können geradezu klassische- nein nicht Abbilder, aber Inbilder von realen Dingen auftauchen.

Angelehnt nach Margarete Bruns, die Weisheit des Auges, Bilder in den Kulturen der Welt, 2005

 

Das frühe Zeichnen ist ein Spuren hinterlassen. Das Kind ist auf dem Weg vom Kritzeln zu den Urformen. Es ist ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung und Wahrnehmung der Welt.

 

Die kindliche Darstellung ist zu Beginn des Malens noch vorgegenständlich, aber nie ungegenständlich.

 

Was das Kind ausdrückt ist seine Wirklichkeit, seine Realität und es meint damit die Welt zu treffen. Kindliche Darstellung ist gegenständlich (nie Kunst).

 

Es bildet auch die Gestalten seiner Fantasie ab, welche auch zu seiner Wirklichkeit gehören. Daher ist Kritik und Korrektur nie angebracht. Es gilt das Kind ernst zu nehmen, Die Entwicklung seiner bildnerischen Fähigkeiten sind Ausdruck seiner geistigen und körperlichen Entwicklung zum lebensfähigen ganzen Menschen. Die Entwicklung beginnt beim Kritzeln, daraus entstehen die Urformen (Kreis, Spirale, Viereck, Kreuz, Mandelform). Der Kreis, die Linie, die Fläche und die Farbe ist elementar.

 

Die Frage der Erwachsenen ist daher nicht: "Was gefällt uns, was finden wir schön", sondern: "Welche Phänomene kann ich beim Kind beobachten? Was nützt, was schadet seiner Entwicklung"?

 

Es ist wichtig, geschehen zu lassen und nicht nach der Bedeutung seiner Zeichnung zu fragen. Die Gegenständlichkeit und später das Dreidimensionale kommt von selbst eines Tages. Der richtige Zeitpunkt dafür "weiss" das Kind, nicht der Erwachsene. Selbstgefundener Benennung erinnert sich das Kind noch nach Jahren, die durch Fragen "erpressten", wechseln im Augenblick.

 

Der Gestaltungsdrang des Kindes ist auf Gelegenheiten angewiesen, die ihm geboten werden müssen.

 

In Anlehnung an Helen I. Bachmann, Malen als Lebensspur und Wolfgang Grözinger "Kinder kritzeln, zeichnen, malen", die Frühformen kindlichen Gestaltens, zusammengefasst durch Ursula Straub und Rosa Hulliger.

 

 

URFORMEN

 

Zu Beginn des bildnerischen Gestaltens steht die Entwicklung der Formen. Diese ist bei allen Menschen, egal welcher Herkunft, dieselbe. Aus den frühen Kritzeleien entstehen erste Überkreuzungen (Urform Kreuz), später der erste geschlossene Kreis, dieser ist die erste Gestalt, welche in der Entwicklung der Zeichnenden entsteht und ist somit die erste gezeichnete Gestalt, der erste Körper. Nach dem Kreis folgen dann alle weiteren zur Gestaltung gehörenden Urformen.

 

Niemand muss sie dem Kind beibringen, es schöpft aus seinem Ursprung, aus seinen Körpererinnerungen.

 

Die Urformen sind Ausdruck unseres körperlich-geistigen-seelischen individuellen und kollektiven Ursprungs.

 

Mit der wachsenden Fähigkeit des Kindes, seine Bewegungen zu koordinieren, entstehen Formen mit Absicht; sie werden von ihm bestimmt. Die bewusste bildliche Darstellung baut auf diesen beschriebenen Urbewegungen auf.

 

 

DAS KREUZ

 

Die Senkrechte strebt in die Höhe, ist zielgerichtet, aktiv,

drängend, hierarchisch.

 

Die Waagrechte stellt ein ruhendes, weitendes, öffnendes

Prinzip dar.

 

Das Übereinanderlegen dieser beiden

Gegensätzlichkeiten bringt diese zusammen.

 

Aktivität und Ruhe, Berg und Tal, Kindheit und Alter-

Jedes braucht das Andere.

 

Die Gegenpole sind nicht "Feinde", sondern einander

Helfer.

 

Das Kreuz steht für die vier Himmelsrichtungen, vier

Jahreszeiten und ist die früheste Darstellung vom

Mensch.

 

Das Kreuz im Kreis wurde schon in frühester Zeit und weltweit verstanden als Zeichen der Einheit und von Ganzheit

 

 

DER KREIS

 

Der Kreis ist rund und ganz, Symbol für Ganzheit und Unendlichkeit

 

Anfang und Ende sind sich so nah, wie leben und  sterben.

 

Beim Kreisen gibt es keinen Anfang und kein Ende.

 

Der Kreis kann als einzige Form gezeichnet werden ohne  die Richtung zu verändern.

 

Sich im Kreis drehen, als negativer Aspekt.

 

Im Kreis kann man sich geborgen oder sich gefangen  fühlen

 

 

DIE SPIRALE

 

Die Spirale ist eines der ältesten Symbole der Menschheit und Sinnbild für lebendiges Wachstum und Wandlung.

 

Sie ist sowohl ein- als auch ausrollend.

Entfaltung, Entwicklung, aber auch Rückzug und Abstand

nehmen.

 

Sie führt uns zurück zum Ursprung, sowohl individuell

als auch kollektiv, in der Entwicklung unseres  Bewusstseins und unserer Kultur.

 

Sie steht auch für den Lebensweg, für Werden und

Vergehen, für Leben und Sterben.

 

Die Spirale ist Ausdruck für Etwas, das sich oft schwer

mit Worten erklären lässt.

 

 

DAS DREIECK

 

Ihm geht die Urzahl drei voraus. Aus den sich gegenüberliegenden gegensätzlichen Polen, entsteht der dritte, verbindende, harmonisierende Punkt.

 

Das männliche Dreieck (auch Feuerdreieck), mit der Basis am Boden und der Spitze die sich zielgerichtet gen Himmel richtet, ist Zeichen für Feuer, Licht und Erleuchtung.

Es beinhaltet schöpferische Kräfte sowie Transformation von Materie in einen feinstofflichen Zustand.

Dieses Dreieck verbindet mit der Erde und lässt die Gedanken zur Ruhe kommen.

Das weibliche Dreieck (auch Wasserdreieck), steht auf der Spitze und weist in die Tiefe. Es ist Symbol für Wasser, Tiefgründigkeit, Feuchtigkeit und Kälte. Das Wasser ist Urelement und gilt in vielen kulturellen Zusammenhängen als Ursprung des Lebens.

Das Ergebnis, wenn wir das männliche und das weibliche Dreieck übereinanderlegen ist der Sechsstern: Ein uraltes Vereinigungssymbol weiblicher und männlicher Kräfte. Es wird auch Hexagramm, Davidstern oder das Siegel Salomos genannt.

Zwei, an der Basis zusammengefügte Dreiecke ergänzen sich und werden zur Mandorla.

 

 

DIE MANDORLA

 

Die Mandelform symbolisiert Eingang, Durchgang, Ausgang, aber auch Übergang. Sie ist die Öffnung zum Torweg, das Tor für Leben und Sterben, für Wandlung. Sie ist das Tor zum Himmel.

 

Sie ist Auge das nach innen schaut, hinein ins Leben als Schiff im Lebensfluss.

Die Mandorla ist auch weibliches Ursymbol, sie hat die Form eines Samenkorns oder einer Mandel und ist auch Zeichen für Befruchtung und Fruchtbarkeit.

Ihre entgegengesetzten Pole stellen die Dualität dar.

 

 

DAS QUADRAT

 

Das Quadrat ist Symbol gleichwertiger Verhältnisse,

die beiden Grundrichtungen des Senkrechten und des Waagrechten verbinden sich zu einer Einheit.

Es repräsentiert die Vierer-Struktur der Himmelsrichtungen, der Elemente, der Jahreszeiten …

 

Das Quadrat mit seinen vier rechten Winkeln bildet eine ebenmässige Form in vollendeter Schönheit. Es stellt eine geschlossene, ruhende abgrenzende und damit berechnende Figur dar. Einerseits ist das Quadrat begrenzt, es grenzt ein und es grenzt ab und kann beengend wirken, andererseits ist es offen überschaubar und konkret.

Es dient als Symbol für den Rumpf des Menschen und wirkt dadurch auf diesen auch zentrierend. Es gibt Orientierung und wirkt ordnend. Quadrat und Würfel in ihrer klaren Struktur stehen Sinnbildlich für dir Arbeit an der eigenen Vierheit und Ganzheit, an der Selbstverwirklichung und der Realisierung des Selbst.

 

 

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